Führen auf Distanz

Gebt dem Homeoffice seine Faszination zurück!

Scrum

Face-to-Face: Das Team der Leaders Academy führt alle virtuellen Meetings ausschließlich mit Videofunktion durch.

Das Homeoffice läuft. Zumindest technisch gesehen. Die menschliche Zusammenarbeit über den Bildschirm kostet vielerorts hingegen unglaublich viel Energie. Häufig leiden Kultur und Teamspirit unter der räumlichen Distanz. Wie Führungskräfte gegensteuern und ein Wir-Gefühl in ihre Teams bringen, verrät Thomas Hahn, Geschäftsführer der Leaders Academy. 

Für die Teamdynamik gibt es schlichtweg keine Algorithmen, die sich programmieren lassen. Führungskräfte müssen kreativ werden, um in flexiblen Bürokonzepten menschliche Nähe zu kultivieren. Denn in vielen Unternehmen verschwindet das Persönliche schleichend hinter den Bildschirmen. Die Zusammenarbeit wird schwerfällig. Die Motivation lässt nach. Das wirkt sich langfristig auf die Arbeitsproduktivität aus.

Wer positive Energie will, muss wissen, wie man digitale Hürden überbrücken kann. Mit den richtigen Hebeln können Sie das Führen auf Distanz effizienter und menschlicher gestalten.

Kommen Sie aus der Opferrolle:

Mehr (Führungs)Kraft durch Konzentration

Viele Führungskräfte vergeuden ihre Energie auf Nebenkriegsschauplätzen. Heißt: Sie konzentrieren sich auf Dinge, die sie nicht beeinflussen können. Ihre Haltung in Bezug auf die Digitalisierung können Sie verändern. Sie können auch an Ihrer Zeiteinteilung arbeiten oder aktiv beeinflussen, wann und wie Sie mit Ihren Mitarbeitern interagieren. Wenn Ihr Unternehmen aber von äußeren Einflussfaktoren wie unter politischen Entscheidungen oder auch einer Pandemie betroffen ist, können Sie sich darüber aufregen. Am Ende ändert das nichts. 

Richten Sie Ihren Fokus also auf Bereiche, in denen Sie etwas bewirken können. Dann gewinnen Sie unglaublich viel Kraft zurück und Ihre Selbstwirkung wird höher.

Der entscheidende Erfolgsfaktor:

Distanzen in Vertrauen verwandeln

Sicher, im Remote-Büro stehen Führungskräfte vor vielen Herausforderungen. Aber es ergeben sich auch großartige Chancen. Anstatt Kontrolle und unmündige Mitarbeitende zu kultivieren, können Vorgesetzte Vertrauen zulassen. Dazu gehört das Teilen von Verantwortung. 

Führungskräfte sollten jedem die Möglichkeit geben, sich zu beweisen. Sprich: Jedes Teammitglied sollte selbst entscheiden, was zu tun ist, wie es zu tun ist und wie der beste Weg zum Ziel aussieht. Sie werden erstaunt sein, wie Menschen Verantwortung annehmen, wenn Sie ihnen die Gelegenheit dazu geben

How to:

Führungskräfte
können Vertrauen lernen

Das Problem liegt häufig nicht im Wollen, sondern im Können. Viele Führungskräfte möchten Vertrauen aufbauen, aber ihre eingefahrenen Verhaltensweisen und Routinen hindern sie daran. Wie gelingt also der Kulturwandel?

  • Fangen Sie bei Ihrer Haltung an! Mit gezieltem Training gelingt es Ihnen schrittweise, einen vertrauenstiftenden Führungsstil umzusetzen.
  • Kultivieren Sie eine gesunde Fehlerkultur. Um schnell zu sein, müssen Unternehmen experimentieren. Und Experimentieren geht nur ohne Angst.
  • Delegieren Sie Verantwortung, keine Aufgaben! Die Mitarbeiterin auf Ergebnisse festzunageln, aber ihr die Möglichkeit entziehen, dafür auch Sorge zu tragen, das funktioniert nicht.
  • Mit Methoden – wie der „Start-Stop-Keep“-Übung – können Führungskräfte regelmäßig Feedback einholen und ihren Mitarbeitenden vermitteln, dass sie ihre Bedürfnisse ernst nehmen.

Distanz ist nicht gleich Distanz:

Menschlichkeit geht auch virtuell

Wenn Menschen allein hinter ihren Bildschirmen sitzen, fühlen sie sich schnell isoliert. Gegensteuern können Führungskräfte über die Häufigkeit, Art und Qualität des virtuellen Austauschs. 

Kommunizieren Sie mit Ihren Teams überwiegend in Echtzeitkommunikation, lässt das die Distanz geringer erscheinen. Je mehr Sinne Sie dabei ansprechen, desto mehr Nähe schaffen Sie. 

Lassen Sie dabei die Vermischung von Privatem und Beruflichem zu! So fördern Sie die zwischenmenschliche Energie. Auch Gefühle spielen eine große Rolle für die Verbundenheit im Team. Führungskräfte sollten dabei mit großem Vorbild vorangehen. Machen Sie Implizites explizit und Ihre Mitarbeitenden werden Ihnen folgen!

„Ich arbeite schon immer im Home Office, da ist mir die Umstellung nicht besonders schwer gefallen. Durch die immer mit Video stattfindenden Online-Meetings bin ich mit meinen Kollegen, trotz der Distanz, enger zusammengewachsen.“Ursula Nowak, Vertriebsassistenz der Leaders Academy GmbH

Produktive Meetings:

Der Rhytmus macht die Musik

Video-Termine gehören in den meisten Unternehmen bereits zum Standard. Nicht enden wollende Meetings können dabei unglaublich ermüdend sein – gerade virtuell.

Damit der Austausch via Web-Cam bereichernd und fokussiert bleibt, braucht es einen sinnvollen Meeting-Rhythmus. Routine schafft Orientierung.  

Heißt: Wenn Menschen es gewohnt sind, sich täglich im Büro zu sehen, ist ein morgendliches, virtuelles Stand-up-Meeting sinnvoll. Hinzu kommt beispielsweise ein wöchentlicher Jour Fixe, in dem die Teammitglieder Verantwortlichkeiten festlegen. Ebenso wichtig sind informelle virtuelle Treffen zu einem Feierabend-Getränk oder Kaffee-Klatsch, um das persönliche Miteinander zu stärken.

Hand aufs Herz:

Wie steht es um Ihre Meeting-Qualität?

Damit alle Beteiligten ein Meeting mit gutem Gefühl verlassen, will dieses gut geplant sein. Virtueller Austausch braucht Struktur und eine Agenda.

Hilfreich ist es, vorab Meeting-Rollen zu verteilen. Der Moderator sorgt für den roten Faden. Dem Timekeeper obliegt das Zeitmanagement. Der Protokollführer bringt Ordnung in das System, in dem er wichtige Entscheidungen und Aufgabenverteilungen schriftlich festhält.

Je gezielter ein Meeting von konkreten Fragestellungen geleitet wird, desto mehr bleibt es auf den Punkt. Bei uns beginnt der Tag beispielsweise mit einem Daily Huddle. Unter normalen Bedingungen fasst hier jeder Mitarbeiter innerhalb von max. einer Minute seine Tagesprioritäten zusammen. Wir haben für uns festgestellt, dass es im Homeoffice Sinn macht, das ganze schriftlich in einem Chat festzuhalten. Jeder Mitarbeiter beantwortet dabei in unserem Kommunikationskanal die folgenden drei Fragen:

  1. Stimmung: Wie geht es dir heute (Skala 1-10) und warum? ☀️🌥⛈ 
  2. Was wird dein Highlight des Tages? 😍
  3. Welche Herausforderungen hast du aktuell? Wo brauchst du Unterstützung? 🆘

Um eine große Nähe untereinander zu schaffen, binden wir bewusst auch persönliche Fragestellungen ein. Für einen gelungenen Einstieg sorgen beispielsweise gute persönliche und berufliche Neuigkeiten. In Einzelgesprächen können Sie als Führungskraft durch ein simples „Wie geht es deiner Familie?“ Nähe und Vertrauen aufbauen.

Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein:

Virtuellen Teams Sinn stiften

Klar ist: Wenn die Bürogemeinschaft fehlt, ist auch von gemeinsamen Zielen oft nicht mehr viel zu spüren.

Das Gesamtbild zu zeigen und die Mitarbeitenden ein Teil davon werden zu lassen, ist daher eine der wichtigsten Aufgaben beim Führen auf Distanz. Heißt: Jeder Mitarbeitende sollte genau wissen, was von ihm erwartet wird und welchen Anteil er am Unternehmenserfolg hat. Ziele vorgeben ist gut, reicht aber nicht aus. Tiefes Verstehen und Identifikation erreichen Führungskräfte nur, wenn sie die Menschen in ihrem Unternehmen an der Zielfindung teilhaben lassen. Dafür müssen Sie ihre Mitarbeitenden in Geschäftsprozesse integrieren und Ziele nicht im Top-Down-Prinzip vorgeben.

Die jetzige Situation wird zur Normalität:

Führen auf Distanz als Zukunftskonzept

Das Homeoffice gehört inzwischen zum Regelbetrieb – und vieles davon wird bleiben. Daher sollten Sie als Führungskraft die Schnittstelle zwischen Technologie und Teamspirit schließen und dafür sorgen, dass ihre Mitarbeitenden mit positiver Energie weiterarbeiten. Mit kreativen Methoden können Sie Ihre digitale Leaderkompetenz entscheidend verbessern.