Alexandra Scheifgen im Interview: Frauen in Führungspositionen

Alexandra Scheifgen im Interview

Selbstverständlichkeit ade: Leistung sichtbar machen, Erfolge zeigen und stolz darauf sein!

Scrum

Alexandra Scheifgen: Die Akademieleiterin der Leaders Academy Aachen – Bonn im Interview zum Thema „Frauen in Führungspositionen“.

Gibt es überhaupt einen Unterschied im Führungsstil der Geschlechter und kann man dadurch sagen, dass Männer oder Frauen die besseren Führungskräfte sind? Wir haben Alexandra Scheifgen, Akademieleiterin der Leaders Academy Aachen – Bonn, zum Interview eingeladen, um uns eine Antwort auf diese Frage zu geben. 

Alexandra Scheifgen steht seit über 25 Jahren im Kontakt mit Kunden und kennt deren Bedarfe und Herausforderungen bestens. Als langjährige Führungskraft im eigenen Unternehmen sowie in einem Handels- und Medienunternehmen versteht sie es, das Potenzial ihrer Mitarbeiter im Sinne eines erfolgsorientierten und nachhaltigen Miteinanders zu nutzen. Zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ hat sie klar die Meinung, dass Frauen viel häufiger ihre eigene Leistung aufzeigen sollten. Wie Walter Fisch einst sagte: „Tue Gutes und rede darüber“.

Wo liegen aus deiner Sicht die Ursachen, dass die Quote von Frauen in Führungspositionen bei 29,5% liegt?

Wenn ich mich mit meinen Teilnehmerinnen dazu austausche, weshalb sie sich entschieden haben, Führungskraft zu werden, beschreiben sie mir neben dem spannenden Aufgaben- und Verantwortungsfeld, dass sie ein sehr harmonisches Arbeitsumfeld haben. Ein Umfeld, in dem sie sich zeigen können mit Ihren Werten und Überzeugungen, mit einem wertschätzenden und respektvollen Umgang untereinander. In dem es keinen Unterschied macht, ob die Position von einem männlichen oder einem weiblichen Stelleninhaber eingenommen wird.

Ich persönlich kann das mit meinen eigenen Führungserfahrungen bestätigen. Der Wert von knapp 30% Anteil ist leider seit 2012 stabil – also seit fast 10 Jahren. Das zeigt, dass die Unternehmen im Hinblick auf Arbeitsumfeld und Teamzusammenstellung einen Hebel haben, den sie bisher zu wenig oder noch nicht ausreichend genutzt und sichtbar gemacht haben.

Was sind die typischen Probleme weiblicher Führungskräfte?

Die größten Herausforderungen sehe ich in der Sichtbarkeit, im Aufzeigen der eigenen Leistungen. Was für viele Frauen selbstverständlich ist und sie deshalb ein gutes Ergebnis nicht zeigen, verhindert oftmals den Aufstieg. Leistung sichtbar machen, Erfolge zeigen und darauf stolz sein. Frauen arbeiten sehr eigenständig halten oftmals erst dann Rücksprache mit Ihrem Vorgesetzten, wenn Probleme im Raum stehen und Fehler passiert sind. Ich empfehle dagegen auch mit wichtigen Zwischenergebnissen in die Kommunikation zu gehen – regelmäßige Gespräche (Dailys, Weeklys oder 1on1 ́s) bilden eine gute Grundlage.

Was würdest du Frauen empfehlen? Welche Skills sind aus deiner Sicht notwendig, um eine Führungsposition zu erreichen?

Gute und klare Kommunikation ist die Führungskompetenz Nr. 1 – damit sind Frauen oftmals im Vorteil. Diesen aktiv zu nutzen, zusammen mit Sichtbarkeit nach innen ins Unternehmen, wie auch nach außen, halte ich für einen guten Hebel, um neben der entsprechenden Fachlichkeit den Schritt in die vordere Reihe zu nehmen.

Führen Frauen grundsätzlich anders als Männer und wo liegen die signifikanten Unterschiede?

Ich habe Frauen in der Führung stark teamorientiert erlebt. Das hat den wunderbaren Nebeneffekt erbracht, dass die Motivation stets hoch war, auch wenn der Workload intensiv war. Die Fokussierung nicht nur auf den Leistungsträger hat alle Teammitglieder im Projekt wachsen lassen und den Zusammenhalt erhöht. Ich erlebte weniger Fluktuation. Gleichwohl habe ich aber auch männliche Chefs erlebt, die ähnliche Führungsstile hatten.

Frauen wird oftmals eine überlegene Empathie unterstellt im Vergleich zu Männern. Für wie wichtig hältst Du die Bereitschaft zu verstehen, was Mitarbeiter bewegt?

Die Bereitschaft zuzuhören und den Mitarbeitern mehr Freiheit zu geben, Dinge auszuprobieren, wenn es dem gleichen Ergebnis dient, dass ist vollkommen egal, ob dies ein männlicher oder weiblicher Vorgesetzter seinen Mitarbeitenden entgegenbringt. In meinen Trainings geben ich dem Thema Empathie sehr großen Raum der Entwicklung – weil wir sie in jedem Kontext hilfreich einsetzen können.

Wie hoch ist der Frauenanteil unter deinen Teilnehmern?

Zunächst war Frauenanteil in meinen Trainings bei knappt 15%. Das wollte ich ändern und habe in den Gesprächen mit den Entscheidern aktiv dafür geworben auch mehr weiblichen Führungskräften das Training und die Weiterentwicklung zu ermöglichen. Seit dem hat sich der Anteil verdoppelt und liegt aktuell bei 30%.

Ist Corona eine Gefahr im Bestreben nach mehr Verantwortung in Unternehmen? Viele Frauen sehen sich gezwungen, wieder komplett die Kinderbetreuung zu übernehmen.

Ich sehe in der aktuellen Situation eher eine Chance für arbeitende Mütter und Väter gleichermaßen. Die Umstellung auf Homeoffice hat sich etabliert, viele wünschen sich wieder zeitnah einen Großteil ihrer Arbeitszeit im Büro mit persönlichen Kontakt zu den Kollegen zu verbringen und 1-2 Tage aus dem Homeoffice zu arbeiten. Durch diese Möglichkeit lässt sich das Familienleben in Teilen noch besser vereinbaren.

„Das größte Geschenk, dass Du Dir selber machen kannst: Vertrau auf Deine Stärken und mach Dein Ding, auch wenn die Herangehensweise und Umsetzung abweicht von der Norm. Übernimm die Verantwortung für Dich selbst.Alexandra Scheifgen, Leaders Academy Aachen – Bonn