Bettina Schaap im Interview: Frauen in Führungspositionen

Bettina Schaap im Interview

Professionelles Führen ist das Führen von Emotionen!

Scrum

Bettina Schaap, Leiterin der Leaders Academy Bamberg – Würzburg, im Interview zum Thema „Frauen in Führungspositionen“.

Gibt es Skills, die notwendig sind, um eine Führungsposition zu erreichen? Wir haben Bettina Schaap, Akademieleiterin der Leaders Academy Bamberg-Würzburg, zum Interview eingeladen, um uns eine Antwort auf diese Frage zu geben. 

Als ehemalige Führungskraft und Geschäftsführerin hat Bettina Schaap in ihrer heutigen Funktion als Führungskräftetrainerin bereits über 600 Führungskräfte in den letzten sieben Jahren ausgebildet. Zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ hat sie klar die Meinung, dass Frauen das flexiblere Geschlecht sind und sich dadurch besser auf das Fördern und Fordern ihrer Mitarbeiter*innen einstellen können.

Wo liegen aus deiner Sicht die Ursachen, dass die Quote von Frauen in Führungspositionen bei 29,5% liegt?

Zunächst die Frage, ist eine Quote von 29,5% gut oder schlecht? Angesichts der Unterstützung, die berufstätige Frauen in Deutschland bekommen und der anhaltenden Mehrfachbelastung ist das doch erstmal ganz gut. Geht es besser? Eindeutig: Ja! Was ist eine passende Quote? Wenn alle die Frauen, die Verantwortung übernehmen wollen und das Führungstalent dafür haben, auch die Chance bekommen, in die Führungsverantwortung zu gehen, dann wird die Quote sicherlich steigen. Doch das reicht nicht.

Nach vielen Jahrzehnten Erfahrung als Führungskraft bin ich zur Befürworterin der Frauen-Quote geworden. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten Bahnbrechendes verändert, nur der Anteil der Frauen in verantwortungsvollen Positionen in Wirtschaft und Politik ist rückläufig! Es geht darum, diese Entwicklung umzukehren. Die deutsche Wirtschaft wird es sich in der Zukunft nicht erlauben können, auf die weiblichen Führungsqualitäten zu verzichten. Damit ist es nicht allein den Frauen überlassen, sich in die Führungsposition zu bringen, sondern wir brauchen das erklärte Ziel, die bestmögliche Volkswirtschaft zu werden, die es geben kann.

Dazu braucht es Rahmenbedingungen, die Talente bewusst sucht, sichtet und fördert – unabhängig vom Geschlecht. Damit wir bei der Sichtung nicht so blind bleiben, wie wir es in den letzten Jahrzehnten waren, braucht es geänderte Rahmenbedingungen – nämlich eine Quote.

Was sind die typischen Probleme weiblicher Führungskräfte?

Frauen benötigen ein sehr gutes Netzwerk an Verbündeten, um die Voraussetzungen zu schaffen, Führungskraft zu sein. Lange bevor die Entscheidung für die Führungsverantwortung fällt, gilt es ein Lebenskonzept zu entwerfen und Verbündete dafür zu finden. Es bedarf guter Überzeugungskraft dafür. Die Überzeugungsarbeit geht im Unternehmen weiter. Im Kreis der Entscheider über die Führungspositionen geht es darum, mutig seine Fähigkeiten und seine Ambitionen zu präsentieren. Dazu braucht es eine gute Reflektion der eigenen Stärken, um als angehende Führungskraft authentisch und selbstbewusst agieren zu können.

Ist der Weg zur Führungskraft geschafft, dann helfen die erworbenen Fähigkeiten, sich gut in einem fordernden Umfeld zu bewähren. Die Führungskraft steht immer in der Beobachtung von Mitarbeitern, Kollegen und den Chefs. Hier geht es um persönliche Eigenschaften wie Standpunkt beziehen und begründen, um Flexibilität, um Vorbild sein, um Überzeugungskraft, um Einsatzbereitschaft, um fachliche Kompetenz und Kreativität.

Eine der Kernkompetenzen ist nach meiner Erfahrung, Interessen und Konflikte auszugleichen. Hier ist das Feld für Einschüchterungen und Status-Spiele, die Frauen entweder zu früh aufgeben lässt oder härter als Männer spielen lässt. Authentische Souveränität ist bei der Lösung von Konflikten sehr gewinnend.

Was würdest du Frauen empfehlen? Welche Skills sind aus deiner Sicht notwendig, um eine Führungsposition zu erreichen?

Wir alle brauchen Feedback. Es geht darum, den blinden Fleck unserer Talente zu füllen und daraus ein Selbstbewusstsein zu erlangen. Die fachliche Qualifizierung wird in der Zukunft immer weniger Gewicht haben, denn der Wissenszuwachs beschleunigt sich immer mehr. Das bedeutet, dass persönliche Qualitäten und Eigenschaften und das Bewusstsein dafür immer wichtiger werden. Darin sehe ich eine große Chance für Frauen, Ihre zugewiesenen Eigenschaften wie Empathie und Emotionale Intelligenz zu nutzen.

Empathie und Emotionale Intelligenz sind die zentralen Eigenschaften, um sich selbst und auch die Mitmenschen in Bewegung zu bringen. Professionelles Führen ist das Führen von Emotionen. Wem es gelingt, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und souverän damit umzugehen, ist auf der Überholspur. Gerade in der zunehmend digitalisierten Zukunft ist die menschliche Kompetenz der Führungskräfte der Schlüssel zum Erfolg.

Welche Erfahrungen hast du gemacht? Führen Frauen grundsätzlich anders als Männer und wo liegen die signifikantesten Unterschiede?

Ich halte den Unterschied für gar nicht so gravierend. Selbstverständlich gibt es Kommunikations- und Sozialkompetenzen die eher der weiblichen Natur zugeschrieben werden und Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke und Selbstsicherheit, die eher der männlichen Natur zugeschrieben werden. Egal, ob Mann oder Frau, tuen wir gut daran, die Eigenschaften im Gespräch zur Geltung zu bringen, die das Gegenüber überzeugen. Klug ist es, den anderen so anzusprechen, wie er oder sie angesprochen werden will. Klug ist es auch, eine Vision und einen Plan zu haben, der Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen überzeugt und das Team gut mitnimmt.

Frauen wird oftmals eine überlegene Empathie unterstellt im Vergleich zu Männern. Für wie wichtig hältst du die Bereitschaft zu verstehen, was Mitarbeiter*innen bewegt?

Alle meine Fähigkeiten, die in mir angelegt sind, nutzen nichts, wenn es nicht Menschen gibt, die mir eine emotionale Erfahrung verschaffen, um sich dieser Eigenschaft bewusst zu sein. Wir brauchen ganz persönliche Erlebnisse, Erfahrungen, Krisen, die wir überwinden, um uns emotional zu prägen. Ich sage gerne: „Leben findet durch Leben statt.“.

Wir profitieren davon mit Erlebnissen, die wir mit unseren Kollegen, Mitarbeiter und Kunden austauschen können, um sie damit emotional anzusprechen. Nach meiner Erfahrung können Frauen flexibler agieren und sich auf das Fördern sowie das Fordern besser einstellen. Ein Pluspunkt für weibliche Führungskräfte.

Siehst du durch die Corona Krise die Gefahr, dass Frauen in ihrem Bestreben zurückgeworfen werden, mehr Verantwortung im Unternehmen zu übernehmen? Viele Frauen sehen sich gezwungen, wieder komplett die Kinderbetreuung zu übernehmen.

Corona stellt uns alle vor vollkommen neue Erfahrungen und neue Situationen. Aufgrund Ihrer multioptionalen Lebenserfahrung gelingt es Frauen leichter und schneller sich auf neue Lebenssituationen einzustellen. Hier liegt die Gefahr, dass Frauen zu selbstverständlich, die neue Situation annehmen und schnell erledigen. Damit halten sie ihre Ehemänner außen vor. Die erfahrene Führungskraft weiß allerdings um die Notwendigkeit des Delegierens. Damit ist der Umgang mit der Corona-Krise ein Persönlichkeitstest für uns alle. Fallen wir zurück in alte Verhaltensmuster, um uns subjektiv das Gefühl von Sicherheit zu geben, oder begreifen wir die Chance und stellen überholte Verhaltensmuster in Frage und werden flexibler und freier? Diese Veränderungsdynamik können wir als Frauen nutzen. Übergeben wir den Vätern die Verantwortung, die ihnen in der Kindererziehung zusteht.

Als Vorbildfunktion für viele Frauen – was ist deine zentrale Botschaft, die du aus deiner Erfahrung weitergeben würdest?

Mein Weg aus meinen Krisen ist geprägt von der tiefen Zuversicht: „Dann lass mal herausfinden, wofür das gut ist.“. Das ist mein Weg, um auch durch die Krisen und Prüfungen, die mir gestellt werden, die Liebe zum Leben nicht zu verlieren.

Damit sind wir übrigens bei der zentralen Emotion für die Zukunft. Ich hörte gerade in einem Vortrag eines Mental-Trainers, dass sich das Coaching der mentalen Kräfte z.B. im Sport aktuell verändert. Neue mentale Übungen zielen darauf ab, die Liebe zum Leben und die umfassende Dankbarkeit dafür, zu aktivieren. Wenn ich auf schwierige und herausfordernde Kunden treffe, ist mein Mantra ganz einfach: „Ich bin Liebe“ und schon entspannen sich meine Gesichtszüge und meine Stimme wird weicher und ich bin frei zu entscheiden: Kooperation oder Konfrontation.

Mein Tipp: Werdet eine Persönlichkeit, die gut Entscheidungen treffen kann.

„Trefft Entscheidungen, denn die bringen euch ins Leben. Keiner trifft wissentlich eine falsche Entscheidung. Wenn wir allerdings feststellen, dass wir eine falsche Entscheidung getroffen haben, dann nehmt die Lehre an und korrigiert euren Weg.“Bettina Schaap,
Leaders Academy Bamberg – Würzburg

Dorit Baucke im Interview: Frauen in Führungspositionen

Dr. Dorit Baucke im Interview

Mach dein Ding, nicht sein Ding!

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Dr. Dorit Baucke, Leiterin der Leaders Academy Paderborn – Bielefeld, im Interview zum Thema „Frauen in Führungspositionen“.

Gibt es Unterschiede im Führungsverhalten weiblicher und männlicher Führungskräfte? Wir haben Dr. Dorit Baucke, Akademieleiterin der Leaders Academy Paderborn – Bielefeld, zum Interview eingeladen, um uns eine Antwort auf diese Frage zu geben. 

Als ehemalige Führungskraft in namenhaften DAX- und M-DAX-Unternehmen begleitet Dr. Dorit Baucke heute angehende und erfahrene Führungskräfte bei deren persönlicher Entwicklung – hin zu mehr Selbstbewusstsein, innerer Stärke und Selbstwirksamkeit. Zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ hat sie klar die Meinung, dass Frauen anfangen müssen sich gegenseitig zu unterstützen und ihrem eigenen Können mehr Vertrauen zu schenken.

Wo liegen aus deiner Sicht die Ursachen, dass die Quote von Frauen in Führungspositionen bei 29,5% liegt?

Für mich ist ein wesentlicher Grund, dass wir im Grunde gar keine Quote haben. Das hat sich bis zu einem gewissen Punkt von unter 10% auf 30 % entwickelt und jetzt tut sich da freiwillig nicht mehr viel. Ich halte es für wichtig, dass wir den Frauenanteil erhöhen können. Einfach aus dem Grund, dass wir auch so dem typischen Problem weiblicher Führungskräfte entgegenwirken können.

Was sind die typischen Probleme weiblicher Führungskräfte?

Weibliche Führungskräfte haben häufig keine Vorbilder. Ich habe in meinen Trainings Geschäftsführerinnen, die gerade die Unternehmen von ihren Vätern übernehmen. Und ich sehe, wie mir diese an den Lippen hängen, weil sie endlich mal eine Frau sehen, die Führungserfahrung hat. Sie kennen sonst nur das, was ihr Daddy gemacht hat. Nicht nur, dass es sich hierbei um verschiedene Generationen handelt, dieses Problem haben die Jungs heute ebenso, sondern auch, dass es meist das andere Geschlecht ist, an dem sie sich orientieren müssen. Das sind sicher Probleme, die sie haben. Keine Vorbilder und keine Möglichkeiten zum Netzwerken. Sie fühlen sich häufig allein gelassen.

Was würdest du Frauen empfehlen? Welche Skills sind aus deiner Sicht notwendig, um eine Führungsposition zu erreichen?

Ich glaube dazu gehört vor allem, dass man Führungsverantwortung will – man muss gestalten wollen. Und dazu braucht man auch ein gewisses Streben nach Macht. Ebenso wie Durchsetzungsstärke, dass man sagt „Ich gestalte hier und ich setze das auch gegen Widerstand durch“.

Für mich gehört auch Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen dazu. Es nützt Frauen nichts in Führungspositionen, wenn sie lamentieren „Oh, da sind so viele Männer“. Denn wenn man diesen Glaubenssatz hat, wird das ganz sicher auch so sein. Ich vergleiche das gerne mit dem Roger Bannister Effekt. Wenn sich noch mehr Frauen trauen, einfach das zu tun, was sie wollen und ihr eigenes Ding machen, dann wird der Anteil steigen und zwar in den Unternehmen, wo es ihnen nicht ganz so schwer gemacht wird.

Meine Tipps auf einen Blick

  • Machtstreben entwickeln
  • Durchsetzungsstärke aufzeigen
  • Überzeugungskraft einsetzen
  • Durchhaltevermögen behalten

Wie hoch ist der Frauenanteil unter deinen Teilnehmer*innen?

Der Frauenanteil unter meinen Teilnehmer*innen liegt bei ca. 20 %. Ich bin sehr froh, dass ich viele junge Geschäftsführerinnen habe, die ich auch dazu animieren kann an ihrer Führungskompetenz zu arbeiten. Ich würde mich aber freuen, wenn dieser Anteil noch deutlich höher wäre.

Führen Frauen grundsätzlich anders als Männer und wo liegen die signifikanten Unterschiede?

Ich weiß gar nicht, ob Frauen und Männer so anders führen. Ich sehe nur, dass Frauen durch ihre Sozialisierung häufig das Problem haben, dass sie einfach nicht sagen, was sie wollen. Wenn ich meinem männlichen Chef nicht sage, was ich will, dann werde ich wahrscheinlich auch nicht das kriegen, was ich haben möchte. Frauen neigen eher dazu darauf zu warten, entdeckt zu werden, anstatt zu sagen was sie in den nächsten Jahren erreichen möchten.

Das gleiche gilt für das Thema Gehaltsverhandlungen. Frauen fragen nicht nach Gehaltserhöhung. Männer fragen immer nach Gehaltserhöhung. Pauschalisiert gesagt habe ich es in etwa bei 90% der Männer und 10% der Frauen gesehen. Auch wenn eine Führungsposition zu besetzen ist habe ich häufig von Frauen gehört. „Traust du mir das zu?“. Bei einem Mann war das ganz klar „Wann kann ich anfangen? Wie ist die Gehaltserhöhung? Und wann bekomme ich welchen Dienstwagen?“.

Ich denke im Großen und Ganzen hat das alles mit der Sozialisierung zu tun. Wo sind wir groß geworden? Wie sind wir erzogen worden? Man sagt zwar heute, dass das neutraler ist, aber ich sehe immer noch viel Rosa und Blau.

Als Vorbildfunktion für viele Frauen – was ist deine zentrale Botschaft, die du aus deiner Erfahrung weitergeben würdest?

Fangt an zu netzwerken und euch gegenseitig zu unterstützen. Männer sind da meiner Erfahrung nach wettbewerbsorientierter. Sie „kabbeln“ sich und möchten gewinnen. Aber wenn das Projekt vorbei ist oder man am Abend zusammensitzt, sind sie in der Lage miteinander ein Bier zu trinken. Wir Frauen nehmen uns viele Dinge gegenseitig viel zu persönlich. Das hat definitiv mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Man muss es Frauen aber auch beibringen. Viele Dinge im Business laufen eben anders als zu Hause, wo Harmonie vielleicht im Vordergrund steht. Das ist für mich ein Punkt, der wesentlich ist.

Das versuchen wir auch in unseren Trainings zu fördern. Netzwerkt und unterstützt euch anschließend. Schiebt euch gegenseitig auch gute Jobs zu, wenn ihr wisst, wo welche sind. Ruft eure Kolleginnen an, trefft euch zum Netzwerken. Ihr könnt euch natürlich auch mit Männern treffen, nicht nur untereinander. Aber wenn ihr eine gute Frau kennt, dann schlagt sie auch für den Job vor. Da sind Männer wesentlich weniger zurückhaltend als Frauen. Frauen denken viel zu oft darüber nach, ob das jetzt der perfekte Job ist und alle Erwartungen erfüllt werden können.

Beschäftigt euch außerdem mit den Spielen der Macht in den hohen Etagen. Wie wird Business gemacht? Männerhierarchie funktioniert einfach anders als Frauenhierarchie. Das heißt nicht, dass ich mich hier anpassen muss. Aber ich finde es wichtig, dass ich diese Spielregeln erst einmal kennenlerne. Wenn ich Schach spielen will, muss ich die Regeln schließlich auch kennen. Das heißt nicht, dass ich es genauso machen muss wie meine männlichen Kollegen. Wenn ich aber ständig auf blinden Fleck lauf, ist es schwierig zu lernen, wie Hierarchien funktionieren.

Wenn eine Frau eine Führungsposition haben möchte, würde ich raten: Sucht euch Unternehmen, wo das heute schon möglich ist. Wo nicht nach Männern und Frauen unterschieden wird. Sucht euch vielleicht nicht zwingend ein traditionelles Unternehmen, auch wenn es ein großes Unternehmen ist. Schaut wo ihr euch mit euren Stärken einbringen könnt. Denn ich finde es gibt nichts schlimmeres, als wenn Frauen anfangen, sich zu verbiegen und versuchen so zu sein wie, plakativ gesagt, harte Männer.

„Wenn du eine Leaderin sein willst, dann darfst du nicht fleißig sein. Fleißig sind Bienchen. Leader sind nicht fleißig. Leader sagen, wo sie lang wollen. Dass man dafür viel arbeitet, ist eine andere Sache. Aber sei nicht fleißig im Sinne von abarbeiten, sondern schau wo sind die Dinge, die dich nach vorne bringen, wo du Führung übernehmen kannst.Dr. Dorit Baucke,
Leaders Academy Paderborn – Bielefeld

Es gibt einen schönen Spruch: „Die Welt tritt zur Seite und lässt jemanden vorbei, der weiß, wohin er will.“ Und das gilt auch für Frauen, nicht nur für Männer. Deswegen sage ich den Frauen auch: Traut euch! Habt Mut! Macht es so, wie ihr denkt, dass es ein gutes Führungsverhalten ist und lasst euch nicht davon abbringen. Auch wenn mal jemand sagt „Oh, da ist eine Zicke“ oder „Du kannst das überhaupt nicht und ein Chef hätte das so und so gemacht“. Setzt euch mit euren Stärken durch und versucht sie dort so gut wie möglich zu leben.

Last but not least sage ich: Kompetenz ist wichtig für Leadership. Aber es ist nicht die Fachkompetenz – Es ist die Kompetenz, sich in einem sehr gemischten Feld behaupten zu können. Vielleicht auch mal irgendwo rein zu grätschen, aber vor allen Dingen nicht beleidigt zu sein, sondern aufzustehen und loszugehen.

Mach dein Ding, nicht sein Ding!

Sonja Güthoff im Interview: Frauen in Führungspositionen

Sonja Güthoff im Interview

Yes, you can – Alles ist möglich! Frauen können genauso erfolgreich sein wie Männer!

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Dr. med. Sonja Güthoff, Leiterin der Leaders Academy Augsburg – Garmisch-Partenkirchen sagt: Genauer hinschauen lohnt sich.

Gibt es typische Probleme weiblicher Führungskräfte, die ausschlaggebend dafür sind, dass die Quote von Frauen in Führungspositionen seit 10 Jahren stagniert? Wir haben Dr. med. Sonja Güthoff, Akademieleiterin der Leaders Academy Augsburg – Garmisch-Partenkirchen, zum Interview eingeladen, um uns eine Antwort auf diese Frage zu geben. 

Als Ärztin, Stress- und Burnout-Choach ist Dr. med. Sonja Güthoff nicht nur krisenerprobt, sondern weiß als Unternehmerin und Führungskräfte-Trainerin, individuell Teilnehmer*innen darin zu unterstützen, durch gesunde (Selbst)Führung ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ hat sie klar die Meinung, dass Frauen genauso erfolgreich sein können wie Männer – die Grenzen liegen immer nur in unseren Köpfen.

Wo liegen aus deiner Sicht die Ursachen, dass die Quote von Frauen in Führungspositionen bei 29,5% liegt?

Es lohnt sich, hier mal genauer hinzuschauen. Diese Statistik vereint alle Branchen und Unternehmensgrößen sowie Altersgruppen. Die Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB 2019) zeigen nochmals deutlicher, dass sich der geringe Anteil mit 26% an weiblichen Führungskräften in der Privatwirtschaft vor allem in der obersten Leitungsebene zeigt, während in der zweiten Führungsebene bereits 40 % der Führungskräfte weiblich sind. Entscheidend ist aber auch die Branche, denn der höchste Anteil von weiblichen Führungskräften auf der ersten Führungsebene mit 49% zeigt sich im Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht, gefolgt mit 39% vom Gastgewerbe und sonstige Dienstleistungen sowie mit 38% vom Einzelhandel. In diesen Branchen findet sich allerdings auch ein deutlich höherer Anteil an weiblichen Beschäftigten, was einen Einfluss auf die Karrierechancen haben wird.

Interessant finde ich auch, dass gerade in größeren Betrieben ab 500 Beschäftigten die erste Führungsebene mit nur 14% weiblich besetzt ist. Woran liegt nun also der insgesamt geringere Anteil an weiblichen Führungskräften? Hier kommen meines Erachtens viele Faktoren zusammen. Neben dem teilweise unterschiedlichen Selbst- und Fremdbild, der ausbleibenden individuellen Förderung und dem öfter geringeren Wettbewerbsanspruch von Frauen bleibt natürlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Faktor. Natürlich gibt es viele moderne Erziehungsansätze, die zukünftig hoffentlich für einen Ausgleich zwischen den Geschlechtern sorgen werden. Bisher ist es allerdings doch noch häufiger so, dass eher Frauen eine Teilzeitbeschäftigung in Erwägung ziehen, um die mangelnden Betreuungsplätze aufzufangen.

Eine große Hoffnung setze ich jedoch in die jüngeren Generationen, denn für die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen gibt das statistische Bundesamt für 2019 bei den Führungskräften immerhin einen Anteil von 38% Frauen an verglichen mit den 29% altersübergreifend.

Was sind die typischen Probleme weiblicher Führungskräfte?

Aus meiner eigenen Erfahrung und den Gesprächen mit Kollegen*innen sind die größten Herausforderungen für weibliche Führungskräfte die eigenen Ansprüche. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass Frauen mit 48% als häufigsten Grund für Stress hohe Ansprüche an sich selbst angeben (bei Männern 37%), während bei Männern der häufigste Grund mit 54% die Arbeit selbst sei (bei Frauen 39%, TK Stress-Studie 2016). Dazu kommen gern auch mal eine überspitzte Selbstkritik, eine schlechtere Selbstdarstellung und eine deutliche Zurückhaltung der eigenen Meinung sowie Wünsche verglichen mit männlichen Kollegen. Aber all das ist immer abhängig von der individuellen Veranlagung, wie wir aufgewachsen sind und wie unsere Vorbilder agierten. Das Schöne ist, dass wir alle jeden Tag hinzulernen und unsere Kompetenzen stärken können.

Was würdest du Frauen empfehlen? Welche Skills sind aus deiner Sicht notwendig, um eine Führungsposition zu erreichen?

In erster Linie ist es ein gutes Selbstbewusstsein. Wenn ich mir selbst die Führungsaufgabe nicht zutraue, warum sollte es dann mein*e Chef*in tun? Besonders wichtig ist auch Kommunikationsstärke. Darin sind Frauen bekanntlich sehr gut. Erstaunlich ist hingegen, dass es der einen oder der anderen immer noch schwer fällt, auch die eigenen Fähigkeiten zu kommunizieren – frei nach dem Motto „Tu Gutes und sprich darüber!“.

Außerdem sind in der modernen Führung auch Skills wie Empathie, Flexibilität und Kreativität sehr wichtig, neben der Kommunikationsfähigkeit alles Eigenschaften, die Frauen häufig bereits mitbringen (Funken 2018 und 2016). Wichtig ist aber auch, sich privat die Freiheiten zu schaffen, eben auch die eigenen Fähigkeiten wie Flexibilität ausüben zu können. Hier sind wir wieder bei den modernen Erziehungsmodellen, damit auch Mütter die gleichen Möglichkeiten haben wie Väter. Heute sollte keine Mutter mehr auf ihre Karriere verzichten müssen – zumal Mütter sich hinsichtlich ihres Organisationstalentes und der Durchsetzungskraft wunderbar als Führungskraft eignen.

Meine Tipps auf einen Blick

  • ein gutes Selbstbewusstsein ist das A&O
  • Kommunikationsstärke – „Tu gutes und sprich darüber“
  • Empathie, Flexibilität und Kreativität
  • privat Freiheiten schaffen

Führen Frauen grundsätzlich anders als Männer und wo liegen die signifikanten Unterschiede?

Nicht nur aus meiner eigenen Erfahrung, sondern auch wissenschaftlich betrachtet führen Frauen nicht wesentlich anders als Männer (Emmerik 2009). Auch das Erleben des Führungserfolges wird von Kollegen*innen und Mitarbeitern*innen für Männer und Frauen etwa gleich wahrgenommen, lediglich die Vorgesetzten empfinden weibliche Führungskräfte etwas positiver (Paustian-Underdahl 2009).

Eine Theorie hinsichtlich vergleichbarer Führungsqualitäten ist, dass es auf dem Weg nach oben zu einer natürlichen Selektion kommt und somit die weibliche Top-Führungskraft wohlmöglich der männlichen Top-Führungskraft recht ähnlich ist. Aber auch innerhalb der Branche und des Unternehmens durchläuft man eine Sozialisierung, die sich an den Gegebenheiten, Schulungen und Vorbildern orientiert (Kanning 2018).

Nun könnte man meinen, dass es dann ja auch nicht so wichtig sei, ob die Geschlechter unter Führungskräften gleich verteilt sind. Jedoch geben Unternehmen an, dass ein Mixed Leadership Ansatz Unternehmen langfristig erfolgreicher machen (DGFP 2015). Am Ende bleibt immer noch der individuelle Unterschied der Führungskräfte. Hier ist für jeden viel Potenzial, die beste Führungskraft zu werden, die man oder frau sein kann

Als Vorbildfunktion für viele Frauen – was ist deine zentrale Botschaft, die du aus deiner Erfahrung weitergeben würdest?

Auf den Punkt gebracht: Yes, you can! Alles ist möglich! Frauen können genauso erfolgreich sein wie Männer, denn die Grenzen liegen immer nur in unserem Kopf.

„Euch jungen Frauen empfehle ich, vertraut auf Eure Fähigkeiten, seid ein Leben lang bereit, von Vorbildern zu lernen, seid ehrlich zu Euch selbst, aber auch mutig, Dinge auszuprobieren. Um sich zu entwickeln, muss man immer die Komfortzone verlassen, auch, wenn der Weg erstmal durch die Angstzone führt!Dr. med. Sonja Güthoff,
Leaders Academy Augsburg – Garmisch-Partenkirchen

Bewerbt Euch unbedingt auch auf Stellen, bei denen Ihr zweifelt, ob Eure Qualifikationen ausreichen. Männer tun dies auf jeden Fall, auch wenn sie nicht den geforderten Qualifikationen entsprechen. Ach ja, und übt Gehaltsverhandlungen! Statistisch gesehen haben vor allem junge Frauen häufiger einen höherwertigen Bildungsstand im Vergleich zu Männern (Statistisches Bundesamt 2019). Allerdings verhandeln wir Frauen – und da spreche ich aus eigener Erfahrung – immer noch weniger selbstbewusst unsere eigenen Gehälter.

Last but not least: Ich glaube daran, dass im Arbeitsmarkt der Zukunft zunehmend die Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Flexibilität und Kreativität gebraucht werden, in denen Frauen – wie bereits oben erwähnt – stark sind. Hinzu kommt, dass durch die Digitalisierung auch neue Arbeitsmodelle möglich werden, die auch Führungspositionen für Frauen attraktiver machen können. Es bleibt nur noch, dass wir Frauen diese Möglichkeiten auch nutzen!

Alexandra Scheifgen im Interview: Frauen in Führungspositionen

Alexandra Scheifgen im Interview

Selbstverständlichkeit ade: Leistung sichtbar machen, Erfolge zeigen und stolz darauf sein!

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Alexandra Scheifgen: Die Akademieleiterin der Leaders Academy Aachen – Bonn im Interview zum Thema „Frauen in Führungspositionen“.

Gibt es überhaupt einen Unterschied im Führungsstil der Geschlechter und kann man dadurch sagen, dass Männer oder Frauen die besseren Führungskräfte sind? Wir haben Alexandra Scheifgen, Akademieleiterin der Leaders Academy Aachen – Bonn, zum Interview eingeladen, um uns eine Antwort auf diese Frage zu geben. 

Alexandra Scheifgen steht seit über 25 Jahren im Kontakt mit Kunden und kennt deren Bedarfe und Herausforderungen bestens. Als langjährige Führungskraft im eigenen Unternehmen sowie in einem Handels- und Medienunternehmen versteht sie es, das Potenzial ihrer Mitarbeiter im Sinne eines erfolgsorientierten und nachhaltigen Miteinanders zu nutzen. Zum Thema „Frauen in Führungspositionen“ hat sie klar die Meinung, dass Frauen viel häufiger ihre eigene Leistung aufzeigen sollten. Wie Walter Fisch einst sagte: „Tue Gutes und rede darüber“.

Wo liegen aus deiner Sicht die Ursachen, dass die Quote von Frauen in Führungspositionen bei 29,5% liegt?

Wenn ich mich mit meinen Teilnehmerinnen dazu austausche, weshalb sie sich entschieden haben, Führungskraft zu werden, beschreiben sie mir neben dem spannenden Aufgaben- und Verantwortungsfeld, dass sie ein sehr harmonisches Arbeitsumfeld haben. Ein Umfeld, in dem sie sich zeigen können mit Ihren Werten und Überzeugungen, mit einem wertschätzenden und respektvollen Umgang untereinander. In dem es keinen Unterschied macht, ob die Position von einem männlichen oder einem weiblichen Stelleninhaber eingenommen wird.

Ich persönlich kann das mit meinen eigenen Führungserfahrungen bestätigen. Der Wert von knapp 30% Anteil ist leider seit 2012 stabil – also seit fast 10 Jahren. Das zeigt, dass die Unternehmen im Hinblick auf Arbeitsumfeld und Teamzusammenstellung einen Hebel haben, den sie bisher zu wenig oder noch nicht ausreichend genutzt und sichtbar gemacht haben.

Was sind die typischen Probleme weiblicher Führungskräfte?

Die größten Herausforderungen sehe ich in der Sichtbarkeit, im Aufzeigen der eigenen Leistungen. Was für viele Frauen selbstverständlich ist und sie deshalb ein gutes Ergebnis nicht zeigen, verhindert oftmals den Aufstieg. Leistung sichtbar machen, Erfolge zeigen und darauf stolz sein. Frauen arbeiten sehr eigenständig halten oftmals erst dann Rücksprache mit Ihrem Vorgesetzten, wenn Probleme im Raum stehen und Fehler passiert sind. Ich empfehle dagegen auch mit wichtigen Zwischenergebnissen in die Kommunikation zu gehen – regelmäßige Gespräche (Dailys, Weeklys oder 1on1 ́s) bilden eine gute Grundlage.

Was würdest du Frauen empfehlen? Welche Skills sind aus deiner Sicht notwendig, um eine Führungsposition zu erreichen?

Gute und klare Kommunikation ist die Führungskompetenz Nr. 1 – damit sind Frauen oftmals im Vorteil. Diesen aktiv zu nutzen, zusammen mit Sichtbarkeit nach innen ins Unternehmen, wie auch nach außen, halte ich für einen guten Hebel, um neben der entsprechenden Fachlichkeit den Schritt in die vordere Reihe zu nehmen.

Führen Frauen grundsätzlich anders als Männer und wo liegen die signifikanten Unterschiede?

Ich habe Frauen in der Führung stark teamorientiert erlebt. Das hat den wunderbaren Nebeneffekt erbracht, dass die Motivation stets hoch war, auch wenn der Workload intensiv war. Die Fokussierung nicht nur auf den Leistungsträger hat alle Teammitglieder im Projekt wachsen lassen und den Zusammenhalt erhöht. Ich erlebte weniger Fluktuation. Gleichwohl habe ich aber auch männliche Chefs erlebt, die ähnliche Führungsstile hatten.

Frauen wird oftmals eine überlegene Empathie unterstellt im Vergleich zu Männern. Für wie wichtig hältst Du die Bereitschaft zu verstehen, was Mitarbeiter bewegt?

Die Bereitschaft zuzuhören und den Mitarbeitern mehr Freiheit zu geben, Dinge auszuprobieren, wenn es dem gleichen Ergebnis dient, dass ist vollkommen egal, ob dies ein männlicher oder weiblicher Vorgesetzter seinen Mitarbeitenden entgegenbringt. In meinen Trainings geben ich dem Thema Empathie sehr großen Raum der Entwicklung – weil wir sie in jedem Kontext hilfreich einsetzen können.

Wie hoch ist der Frauenanteil unter deinen Teilnehmern?

Zunächst war Frauenanteil in meinen Trainings bei knappt 15%. Das wollte ich ändern und habe in den Gesprächen mit den Entscheidern aktiv dafür geworben auch mehr weiblichen Führungskräften das Training und die Weiterentwicklung zu ermöglichen. Seit dem hat sich der Anteil verdoppelt und liegt aktuell bei 30%.

Ist Corona eine Gefahr im Bestreben nach mehr Verantwortung in Unternehmen? Viele Frauen sehen sich gezwungen, wieder komplett die Kinderbetreuung zu übernehmen.

Ich sehe in der aktuellen Situation eher eine Chance für arbeitende Mütter und Väter gleichermaßen. Die Umstellung auf Homeoffice hat sich etabliert, viele wünschen sich wieder zeitnah einen Großteil ihrer Arbeitszeit im Büro mit persönlichen Kontakt zu den Kollegen zu verbringen und 1-2 Tage aus dem Homeoffice zu arbeiten. Durch diese Möglichkeit lässt sich das Familienleben in Teilen noch besser vereinbaren.

„Das größte Geschenk, dass Du Dir selber machen kannst: Vertrau auf Deine Stärken und mach Dein Ding, auch wenn die Herangehensweise und Umsetzung abweicht von der Norm. Übernimm die Verantwortung für Dich selbst.Alexandra Scheifgen, Leaders Academy Aachen – Bonn

Petra Muchow im Interview: Frauen in Führungspositionen

Petra Muchow im Interview

Führung ist keine Geschlechtersache

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Petra Muchow: Die Akademieleiterin der Leaders Academy Hamburg – Lübeck im Interview zum Thema „Frauen in Führungspositionen“.

Die Quote von Frauen in Führungspositionen liegt aktuell bei 29,5% (Quelle: Statista). Grundsätzlich nur eine Zahl, dennoch auch die bittere Realität. Denn diese Zahl stagniert seit nunmehr 10 Jahren. Doch woran liegt das? Wir haben Petra Muchow, Akademieleiterin der Leaders Academy Hamburg – Lübeck, zum Interview eingeladen, um uns eine Antwort auf diese Frage zu geben. 

Die Unternehmerin und Wirtschaftspsychologin Petra Muchow ist Spezialistin in den Bereichen Führungspsychologie und Persönlichkeitsentwicklung und gibt inzwischen ihre Expertise an Führungskräfte und Geschäftsführer weiter. Ihre Leidenschaft für Neurowissenschaft und Lernpsychologie helfen ihr dabei, Lernformate zu konzipieren, die nachhaltig wirken und ihre Teilnehmer in die Umsetzung bringen. Sie ist ganz klar der Meinung, dass Führung keine Geschlechtersache ist.

Wo liegen aus deiner Sicht die Ursachen, dass die Quote von Frauen in Führungspositionen bei 29,5% liegt?

Da gibt es sicher nicht „die eine Ursache“. Es ist ein Konglomerat von verschiedenen Dingen, die in Summe dazu beitragen. Zum einen netzwerken Frauen oft anders als Männer. Viele Geschäfte werden häufig gar nicht im Besprechungsraum, sondern an der Bar gemacht. Da ist es schon wichtig, ein eigenes und sicheres Standing zu haben, um als Frau da nicht als „günstige Gelegenheit“ rüberzukommen, sondern als Geschäftspartnerin auf Augenhöhe.

Über „Frauen und Familienplanung“ ist sicher bereits ausreichend diskutiert worden. Diese stereotypischen Vorstellungen gibt es tatsächlich immer noch in den Köpfen von einigen Menschen. Aber das war für mich nie ein Thema. Ich habe als Selbstständige immer voll gearbeitet und habe zu meinen mittlerweile erwachsenen Söhnen trotzdem eine sehr enge Bindung.

Was sind die typischen Probleme weiblicher Führungskräfte?

Führungsprobleme liegen doch nicht im Geschlecht, sondern in der Natur der individuellen Persönlichkeit, im Unternehmensumfeld oder in Markttrends. Die typischen Probleme von allen sind Umgang mit der Digitalisierung, Fachkräftemangel, Corona und gelingende Kommunikation. Diesen Problemen ist es ehrlich gesagt völlig egal, ob du dich als Mann oder als Frau mit ihnen auseinandersetzen darfst.

Was würdest du Frauen empfehlen? Welche Skills sind aus deiner Sicht notwendig, um eine Führungsposition zu erreichen?

Persönlichkeitsentwicklung ist das A und O! Wenn du dich selbst gut kennenlernst, dazu viele kluge Impulse von außen bekommst und dich in einem entsprechenden Netzwerk mit anderen austauschst, dann lernst du in kleinen Schritten, dich weiterzuentwickeln und persönlich zu wachsen. Das passiert einfach, wenn guter Input kommt. Wachstum ist ein Prozess. Ein Wochenendseminar über „wie ich mit meinen männlichen Mitarbeitern kommuniziere“ macht bestimmt Spaß, ist aber kaum nachhaltig. Mein Tipp:

  • Lerne hinzuschauen, wo es in dir drin piekst!
  • Wahrnehmen, beobachten, nach innen schauen.

Nicht sehr neu und auch nicht innovativ – aber sehr wirksam.

Führen Frauen grundsätzlich anders als Männer und wo liegen die signifikanten Unterschiede?

Ich stehe nicht so auf die Stereotypisierung und halte sie nicht für „wahr“, sondern bin überzeugt, dass das mehr mit Glaubenssätzen und individuellen Überzeugungen zu tun hat. Ich arbeite mit wahnsinnig fähigen Frauen in Führungspositionen zusammen. Empathisch, gebildet, herzlich, analytisch, durchgreifend wenn nötig, scharfsinnig… und unglaublich gutaussehend!

Eine Sache gibt es jedoch: Viele Frauen denken, dass in Führung und Verhandlungen die Sachebene für Verhalten relevant ist.

Wir dürfen uns jedoch dabei noch viel mehr mit der non-verbalen Kommunikation beschäftigen. Dinge, die mit „der Sache“ überhaupt nichts zu tun haben, am Ende aber entscheidungsrelevant sind. Dazu gehören Status-Spielchen, gezeigte „innere und äußere Präsenz“ und die unschlagbare Fähigkeit, Situationen und Gesagtes nicht so ernst oder zu persönlich zu nehmen.

Frauen wird oftmals eine überlegene Empathie unterstellt im Vergleich zu Männern. Für wie wichtig hältst Du die Bereitschaft zu verstehen, was Mitarbeiter bewegt?

Die Bereitschaft zuzuhören und den Mitarbeitern mehr Freiheit zu geben, Dinge auszuprobieren, wenn es dem gleichen Ergebnis dient – Empathie ist eine der grundlegend wichtigsten Fähigkeiten für jede Führungskraft. Mehr noch: Es ist ein Teil ihres Jobs! Wenn sie das nicht draufhaben, hinzuschauen, zuzuhören, Vertrauen zu geben und von ihrem Team Vertrauen ausgesprochen zu bekommen, dann sind sie keine Leader. Dann sind sie Aufgabenverwalter oder Kontrolleure. Es gibt übrigens sowohl weibliche wie männliche Aufgabenverwalter!

Wie hoch ist der Frauenanteil unter deinen Teilnehmern?

In meinen Trainingsgruppen ist das ziemlich ausgewogen.

Ist Corona eine Gefahr im Bestreben nach mehr Verantwortung in Unternehmen? Viele Frauen sehen sich gezwungen, wieder komplett die Kinderbetreuung zu übernehmen.

In diesem Boot sitzen wir alle zusammen. Kinder haben normalerweise zwei Elternteile und wenn die es nicht schaffen, sich gemeinsam zu kümmern und abzusprechen, dann liegt das Problem nicht bei Corona, sondern in der Partnerschaft. Wir dürfen alle lernen, über unsere Bedürfnisse zu sprechen, auch wenn es manchmal vielleicht nicht angenehm ist. Aber einem Konflikt aus dem Weg zu gehen, weil ich vielleicht Angst habe, der andere mag nicht mehr oder verlässt mich, ist sicher keine nachhaltige Lösung, die auf lange Sicht zufrieden macht. Da bin ich dann wieder für die Ursachenbekämpfung.

„Das größte Geschenk ist es, wenn wir uns gegenseitig erlauben, voneinander zu lernen – egal, ob wir als Mann, als Frau oder als irgendetwas dazwischen auf der Welt sind. Führung beginnt immer in mir selbst und meiner Selbstführung. Hinschauen, wahrnehmen, beobachten und in kleinen Schritten in die Richtung gehen, die sich für „dich“ am besten anfühlt.“Petra Muchow, Leaders Academy Hamburg-Lübeck